Indische Zementgewerkschaft erkämpft Vergleich mit LafargeHolcim

- Indische Zementgewerkschaft erkämpft Vergleich mit LafargeHolcim

25 Jahre lang kämpften die Leiharbeiter bei der Holcim-Tochter ACC in Jamul für ihre Festanstellung. Am 22. Januar 2016 schloss ihre Gewerkschaft PCSS mit HolcimLafarge einen Vergleich ab.

Medienmitteilung vom 10.2.2016

Often “talking” is more difficult than “fighting, but the contract workers of Chhattisgarh did that too … and inked a remarkable settlement.Timeline of the Struggle in Holcim.

LafargeHolcim contract workers achieve fair settlement in India   Mitteilung (englisch) von IndustriAll.

- LeiharbeiterInnen kämpfen für ein Leben in Würde

Das Zementwerk der HolcimLafarge-Tochter ACC in Jamul (Chhattisgarh, Zentralindien) steht vor der Schliessung. Was danach mit den 824 beschäftigten Leiharbeiter*innen passiert, ist völlig unklar. Seit mehr als 25 Jahren kämpfen sie für ihre Festanstellung und ein Leben in Würde. Jetzt geht der Kampf in eine neue Phase.

Beim schweizerisch-französischen Zementkonzern HolcimLafarge in Indien kam es Ende September zu einem besorgniserregenden Zwischenfall. Bauarbeiter, die via Mittelsmänner angestellt sind und auf der Baustelle eines Erweiterungsprojekts arbeiten, hatten seit langem ihre Löhne nicht erhalten und forderten deren Auszahlung. Der Verantwortliche des Erweiterungsprojekts stiess dazu. Statt für eine Lösung des Konflikts zu sorgen, beleidigte er die Arbeiter, worauf es zu einem Handgemenge kam. Ein Sicherheitsbeauftragter schoss in die Menge und verletzte einen Arbeiter. Andere Arbeiter fürchteten, dass einer ihrer Kollegen getötet worden sei, worauf sie aufgebracht das Büro des Verantwortlichen stürmten.

Dies ist der zweite schwerwiegende Vorfall auf der Baustelle des Erweiterungsprojekts von HolcimLafarge innerhalb von neun Monaten. Beide Vorfälle standen im Zusammenhang mit der Nichtbezahlung von Löhnen an die Leiharbeiter.

Schon mehrmals hat die LeiharbeiterInnengewerkschaft PCSS (Pragatisheel Cement Shramik Sangh) darauf aufmerksam gemacht, dass die Bauarbeiter ihre Löhne oft nicht oder mit viel Verspätung erhielten, wurde jedoch nicht angehört.

SOLIFONDS hat das Management von HolcimLafarge aufgefordert, dafür zu sorgen, dass alle ArbeiterInnen ihren Lohn regelmässig und pünktlich bekommen. Die Auszahlung müsste von der HolcimLafarge-Tochterfirma überwacht werden, denn gemäss dem indischen Contract Labour Act liegt die Verantwortung für Arbeitsbedingungen und Lohnzahlungen auch im Falle von Auslagerungen beim Hauptauftraggeber. Der SOLIFONDS hat HolcimLafarge ebenfalls aufgefordert, Massnahmen gegen den Verantwortlichen vor Ort und den Sicherheitsangestellten zu ergreifen. Zum wiederholten Mal haben wir HolcimLafarge dazu aufgerufen sicherzustellen, dass Gewerkschaftsrechte eingehalten werden. In Bezug auf die LeiharbeiterInnen des bestehenden Werks ist zu befürchten, dass sie im Erweiterungswerk nicht mehr angestellt werden. Damit würde sich der Konzern auch der unbequemen Gewerkschaft PCSS entledigen. Schon lange unterstützt der SOLIFONDS die Forderung der PCSS, dass die Leiharbeiter im neuen Werk weiterbeschäftigt werden. Diese LeiharbeiterInnen haben Jahre, wenn nicht Jahrzehnte für Holcim gearbeitet – zu Hungerlöhnen. Gemäss Gerichtsentscheiden hätten sie längst fest angestellt werden sollen, der Zementkonzern hat jedoch die Gerichtsverfahren immer weiter in die Länge gezogen.

 

Materialien:

- MultiWatch (Hrsg.): Zementierte Profite - verwässerte Nachhaltigkeit

100 Jahre im Zementgeschäft. Ein Blick auf den Schweizer Konzern Holcim.

Arbeiterinnen und Arbeiter werden mit Scheinverträgen via Drittfirmen angestellt und verdienen Hungerlöhne, Schornsteine von Zementwerken stossen krebserzeugendes Dioxin aus, Flussumleitungen führen zum Verschwinden eines Trinkwasserreservoirs, Entscheidungen indigener Gemeinschaften gegen die Zerstörung ihres Lebensraums werden missachtet.
Dies sind Realitäten rund um Abbau- und Produktionsstätten des weltweit führenden Zement- und Baustoffkonzerns Holcim, der sich gern als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen präsentiert. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Zementimperiums wirft MultiWatch einen Blick hinter die Kulissen des Konzerns.

hier gibt es den Flyer zum Buch

- Holcim Manifest

Mit ihrer Unterschrift haben die Unterzeichnenden vom Konzern Holcim gefordert, dass er sein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und zur sozialen Verantwortung global tatsächlich und nachprüfbar umsetzt.

Zum Manifest hier

- Gewerkschaften und NGOs protestieren gegen Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen durch Holcim

Medienmitteilung vom 17. April 2012

- Holcim jubiliert - Arbeitnehmende in Indien leiden

Medienmitteilung vom 12. April 2012

- Beschwerde gegen Holcim bei der OECD in der Schweiz eingereicht

Holcim präsentiert sich in der Schweiz gern als Vorzeigeunternehmen und behauptet, dass «höchste ethische Standards» («the highest level of ethical standards») eingehalten würden. Doch Holcim setzt die eigenen Versprechen längst nicht überall um: In den indischen Holcim-Zementwerken ACC Limited und Ambuja Cement Limited verletzt der Konzern die Grundrechte von Arbeitern massiv.

Deshalb hat die Gewerkschaft der Leiharbeiter in Indien PCSS am 7. Januar 2012 beim OECD-Kontaktpunkt in der Schweiz Klage gegen das Unternehmen eingereicht.

Mediencommunique der Gewerkschaft Uniadie OECD-Klage im Original

- Offener Brief an Herrn Markus Akermann, CEO Holcim Ltd. (15. Juni 2011)

Im indischen Bundesstaat Chhattisgarh befinden sich Arbeiter des Zementunternehmens ACC-Holcim und ihre Familien seit Anfang April in einer unbefristeten Protestaktion. Vor der Fabrik in der Stadt Jamul demonstrieren die Familienangehörigen und UnterstützerInnen mit einem Sitzstreik, die Arbeiter schliessen sich jeweils nach ihrer Schicht dem Protest an. Am 28. April sind 1000 von 1200 Arbeitern zu Hause geblieben und die Produktion im Betrieb war praktisch stillgelegt.

Hintergrund dieser Proteste ist, dass drei Viertel der Arbeiter der Zementfirma zu Hungerlöhnen arbeiten. Statt dass die Arbeiter feste Arbeitsverträge erhalten würden, sind sie als Temporärarbeiter angestellt und erhalten einen Bruchteil des Lohns von Festangestellten.

lesen Sie den offenen Brief an den Holcim CEO (PDF)

- Findings of a Trade Union Delegation on Contract Workers (June 16, 2011)

The findings of the delegation are that there are a high number of contract workers in place, permanent workers and contract workers are treated differently for the same work at the same workplace, the company does not fully respect international labour standards and conventions and does not implement the Chhattisgarh High Court order on regularization of contract workers.

read the full report here