Informationsbulletin Nr. 61

Der sozialen Misere und Unterdrückung einen «Maghreb für die Menschen» entgegensetzen. Frauenkarawane der LDDF in Marokko.

Für Frauenrechte und Gewerkschaftsfreiheit im Maghreb

Im ersten Halbjahr 2008 fanden im tunesischen Gafsa, 350 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tunis, massive Proteste gegen mafiöse und auf Korruption beruhende Einstellungspraktiken bei der Bergbaugesellschaft CPG (Compagnie des Phosphates de Gafsa) statt. Die zunehmend heftigeren aber friedlichen Proteste weiteten sich regional aus, mit Streiks, Besetzungen und Demonstrationen von vielen Tausend Menschen. Die Bewegung wurde repressiv niedergeschlagen, es kam zu mehreren Toten. Trotzdem: Im autoritär regierten Tunesien meldet sich die soziale Bewegung zurück und provoziert politische Debatten im Vorfeld der fünften Wiederwahl des Präsidenten im Herbst dieses Jahres.
Dank des Erdöl- und Erdgasreichtums könnte es den Menschen im Nachbarland Algerien gut gehen. Doch dieser Reichtum verschwindet in den Taschen weniger, die sozialen Probleme sind gross. Und wie in Tunesien wird Kritik an der Regierung und deren Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht geduldet, die ArbeiterInnenschaft kontrolliert und notfalls gewaltsam in die Schranken gewiesen. Trotzdem haben sich in verschiedenen Bereichen unabhängige Gewerkschaften gebildet, die mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, aber unerschrocken ihr Ziel eines sozialen und gerechten Algerien weiterverfolgen.
Nach langem Kampf von Frauenorganisationen wurde 2004 in Marokko ein neues Familiengesetz eingeführt, das als das fortschrittlichste im Maghreb gilt. Nach nunmehr fünfjähriger Geltung des Gesetzes bestehen jedoch weiterhin schwerwiegende Ungerechtigkeiten gegenüber den Frauen in Bereichen wie: Scheidung, Alimenten und Erbschaft, Polygamie, Verheiratung von Minderjährigen. Zudem werden das Gesetz und die rechtliche Besserstellung der Frauen zunehmend von religiös-fundamentalistischen Kräften bekämpft, die jeden Fortschritt in der Gleichberechtigung zurückdrehen wollen.
Um den Maghreb scheint es ruhig geworden zu sein, aber in den einzelnen Ländern brodelt es. Der SOLIFONDS will mit dieser Aktion jene Kräfte – Gewerkschaften und Frauenorganisationen – unterstützen, die einen sozialen und demokratischen Wandel herbeiführen wollen.