Jahresbericht 2013

Weltweit kämpfen Menschen für würdige Arbeitsbedingungen und für Demokratie von unten - wir unterstützen sie dabei, seit 30 Jahren.

Als der SOLIFONDS vor dreissig Jahren gegründet wurde, ging es nicht darum, ein weiteres Hilfswerk zu gründen, sondern einen Kampffonds, der rasch Unterstützung leisten kann, wenn dringender Handlungsbedarf besteht; einen Solidaritätsfonds eben. Dabei stehen Kampagnen und Aktionen zur politischen Durchsetzung von Rechten und Forderungen im Zentrum. Im vorliegenden Jahresbericht legen wir Inhalt und Umfang dieser Solidaritätsarbeit dar, die wir in vier Themenbereiche unterteilen können.

Ein erster Schwerpunkt unserer Unterstützungen war der Kampf für würdige Arbeitsbedingungen und gegen Prekarisierung. So haben wir in Kolum­bien die Gewerkschaft Sintramienergética in ihrer Auseinandersetzung mit dem Schweizer Minenkonzern Glencore unterstützt; ebenfalls die Kämpfe der ­LeiharbeiterInnen in der Kohlemine El Cerrejón. In Südafrika traten die LandarbeiterInnen in den Streik und forderten eine Erhöhung ihres weit unter dem Existenzminimum liegenden Lohns. Weiterhin ungelöst ist der Konflikt in den Holcim-Zementwerken in Indien, wo die LeiharbeiterInnen seit Jahrzehnten feste Anstellungen und würdige Arbeitsbedingungen fordern.

Der Kampf für Gewerkschaftsrechte und der Auf­bau und die Stärkung unabhängiger Gewerkschaften war ein zweiter Schwerpunkt unserer Arbeit. In Pakistan lancierte der Gewerkschaftsdach­verband NTUF nach dem Brand in ­einer Textilfabrik, bei dem 257 ArbeiterInnen starben, eine Kampagne für die Sicherheit am Arbeitsplatz. In Algerien musste das Vernetzungsforum maghrebinischer Erwerbsloser wegen dem repressiven Vorgehen der algerischen Sicherheitskräfte abgebrochen werden. In Tunesien setzen sich die Bewegung der organisierten Erwerbslosen sowie das tunesische Netzwerk für eine alternative Entwicklung und in Ägypten die unabhängigen Gewerkschaften für den demokratischen Aufbau ihrer Länder und für eine alternative Wirtschaftspolitik ein. Im weiteren konnten die Hausarbeiterinnen in Südafrika und Mali, Basisgewerkschaften in Togo und die Gewerkschaft der PlantagenarbeiterInnen in Sri Lanka auf unsere Solidarität zählen.

Den dritten Schwerpunkt bildete die Verteidigung von Land und Lebensraum gegen Minen und Agrarbusiness. Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca fand ein Vernetzungstreffen der Bevölkerung statt, die unter den sozial und ökologisch katastrophalen Folgen der Minentätigkeit leidet. Im Norden Perus leistet die Bevölkerung Widerstand gegen die Ausdehnung einer Mega-Goldmine. In Espinar, ebenfalls in Peru, konnte im Konflikt der Bevölkerung mit dem Schweizer Multi X­strata noch keine Lösung gefunden werden; die ­Situation hat sich eher wieder verhärtet. Landlose in Paraguay – Überlebende des Massakers von Curuguaty, das im Juni 2012 den Vorwand für den Putsch gegen Präsident Fernando Lugo lieferte – kämpfen gegen missbräuchliche Anklagen, die zu langen Gefängnisstrafen führen würden. In Zimbabwe und Brasilien kämpfen die Menschen weiterhin gegen Agrobusiness und Vertreibung.

Der Kampf gegen Kriminalisierung und für Demokratie von unten bildete den vierten Schwerpunkt unserer Solidaritätsarbeit. In Kolumbien organisierte das Solidaritätskomitee mit politischen Gefangenen CSPP eine Kampagne gegen die Kriminalisierung der sozialen Proteste; politisch motivierten Übergriffen sah sich das Netzwerk REDHER ausgesetzt. Dass Wirtschaftspolitik und Demokratie eng verbunden sind, zeigten die Aktivitäten rund um die regionalen Sozialforen in Tunesien, wie auch der Widerstand gegen ein IWF-Abkommen und die Massenmobilisierungen zur Verteidigung der Revolutionen in Tunesien und Ägypten.

Soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung, partizipative Demokratie – um die zentralen Werte einer solidarischen Welt wird auch im kommenden Jahr gekämpft werden. Unsere Partnerorganisationen – Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Landlose – zählen dabei auf unsere Solidarität.

Hans Schäppi, Präsident